Sie konnte ganz schön hartnäckig sein, wenn es um das Wohl ihres „Babys“ ging. Das weiß auch Oberbürgermeister Thomas Jung, der die Anrufe von Traudel Cieplik als „immer freundlich aber nie billig“ in Erinnerung behält. Denn es ging meist um finanzielle Unterstützung. Mit ihrer Hartnäckigkeit hat es Traudel Cieplik immerhin geschafft, die Fürther Tafel unter ihrer Regie fast 16 Jahre lang durch alle Stürme der äußeren Umstände auf Erfolgskurs zu halten.
Zum ersten Mal ist der OB am letzen Mittwochabend zu einer Mitgliederversammlung der Fürther Tafel in die Zirndorfer Paul-Metz-Halle gekommen. Und zum letzten Mal ist die Tafelchefin hier vor die Vereinsmitglieder getreten. Was sie 2016 schon angekündigt hatte, machte sie nun wahr: Sie machte Platz für den Nachfolger. Es ist ihr langjähriger 2. Stellvertreter Günther Neumann. Der 62-jährige Theologe, zuletzt im Gemeindedienst von St. Josef in Zirndorf, ist seit Dezember 2020 Rentner und will sich nun ganz der Tafel widmen.
Ganz harmonisch – was ja leider nicht allzu oft in gemeinnützigen Vereinen gelingt demonstrierte die Mitgliederversammlung Harmonie pur. Nicht nur Neumann wurde ohne Gegenkandidat von den 67 Anwesenden einstimmig gewählt, sondern auch Jutta Hammer als 1. Stellvertreterin, Marianne Schramm als Schatzmeisterin und Gisela Hettrich als Schriftführerin. Ebenso einstimmig steht Traudel Cieplik ihrem Nachfolger als 2. Stellvertreterin beiseite.„Never change a winning Team“ (verändere nie ein siegreiches Team): den Ausspruch des erfolgreichen englischen Fußballnationaltrainers Alf Ramsey wählte Neumann denn auch zum Motto der Vorstandswahl.
Der Neue versprach, dass die Bürotür auch bei ihm immer offen steht.
„Wir waren zwar nicht immer einer Meinung, haben uns aber immer besser verstanden“, skizzierte ihre Stellvertreterin die Zusammenarbeit mit Traudel Cieplik. Die war zu Tränen gerührt, als ihr Jutta Hammer und Marianne Schramm zum Abschied ein Fotoalbum mit den Tafel-Ereignissen der letzten 16 Jahre übergaben.
Tief verneigte sich der OB vor der mit dem Ehrenbrief der Stadt ausgezeichneten Tafel-Vorsitzenden und lobte die Organisation mit den Worten: „Was sie leisten, kann eine Stadtverwaltung weder finanzieren, noch auf den Weg bringen“. Die Vorstandsarbeit der Tafel verglich Jung mit dem Management eines mittelständigen Unternehmens. Er, Jung, werde die Verbindung zum Rathaus auch unter dem neuen Vorstand nicht abreißen lassen.
Durch die Pandemie hat, so der OB, nicht nur die Bedürftigkeit zugenommen, sondern auch die Bedeutung der Tafel. Günther Neumann konnte hier als Hygienebeauftragter bereits entscheidende Weichen stellen. Auch als Betreuer der rund 130 Lieferanten hat er sich auf seinen neuen Job gut vorbereiten können. Chef und Diener zugleich muss der Tafel-Vorsitzende nach den Worten von Traudel Cieplik sein. Langer Applaus im Stehen bereitete ihr einen großartigen Abschied. Mit Mittelmaß hat sich die Kämpfernatur der Oberfürbergerin nie zufrieden gegeben, zum Glück für die Fürther Tafel mit ihren rund 650 Mitgliedern und etwa 4000 – 5000 mit eingesammelten Lebensmitteln unterstützten Bedürftigen in Fürth, Zirndorf, Oberasbach, Stein, Cadolzburg und Roßtal.
Fürther Tafel
Foto von links Ersatz-Schriftführer Dieter Sieber, Traudel Cieplik, Thomas Jung, Marianne Schramm,
Jutta Hammer und Günther Neumann vor der Zirndorfer Paul Metz Halle.
Foto: Fürther Tafel

